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Nichts los

 

 

Freitagabend. Und alles, wo man hinfahren konnte, um zu zeigen, dass man endlich die Führerscheinprüfung bestanden hatte, war dicht. Kinos dicht, Kneipen dicht und die Clubs auf der Partymeile der nächst größeren Stadt waren natürlich auch dicht. Egal!

Tomtom war nicht der Typ für lange Grübeleien. Wenn nichts los war, musste er eben selbst etwas locker machen.

"Tschüß Mama, tschüß Papa!"

"Wo willst du denn jetzt noch hin?" Seine Mutter wollte es wieder einmal ganz genau wissen.

"Keine Ahnung. Einfach ein paar Kilometer fahren. Schließlich muss man als Fahranfänger viel üben."

"Denkst du bitte an die Ausgangssperre! Wenn du um neun nicht zuhause bist, kann das richtig teuer werden." "Alles klar."

Sein Auto, ein uralter Skoda, den er seinem Großvater für billiges Geld abgekauft hatte, stand vollgetankt vor dem Haus. Das Geld für den Wagen hatte er selbst zusammen gespart. Der Tankgutschein war ein Geschenk seiner Eltern gewesen. Mit einem diskreten Hüsteln setzte sich der Motor in Gang. Gas geben, Kupplung langsam kommen lassen. Mit einem kleinen Bocksprung setzte sich der Wagen in Bewegung und hopste aus der Parklücke auf die Straße. Und jetzt? Wohin? Egal! Einfach geradeaus.

Es war schon dunkel, und die vertrauten Straßen mit den kleinen Häusern blieben hinter ihm zurück. Die Tankstelle, die Burgerbude und das Einkaufszentrum kannte er von den Busfahrten zur Schule. Dort, wo der Bus immer links abbog, fuhr er weiter geradeaus, und er fühlte sich dabei recht verwegen.

Die Straße führte durch ein Gewerbegebiet, das ihm so fremd war wie der Mars. Zuerst fuhr er an einem hohen Zaun vorbei, der vermutlich zu einer Fabrik gehörte. Nach dem Zaun kam lange nichts. Mannshohes Unkraut rechts und links von der Straße, eine Bushaltestelle mitten im Niemandsland, dann eine Einfahrt und ein neuer Zaun.

"Nein, hier ist auch nichts los", stellte Tomtom fest. Außerdem war es schon Viertel vor neun. Höchste Zeit, um zu wenden und wieder nach Hause zu fahren. Vielleicht reichte es noch für einen kurzen Zwischenstopp im Drive-In. Wenn die süße Sarah wieder Dienst an der Kasse hatte, wüsste morgen die ganze Klasse, dass er jetzt einer von denen war, an die man sich halten musste, wenn man zu einer Party gehen wollte. Vorausgesetzt, es gäbe irgendwann wieder Partys.

Plötzlich tauchte aus dem Dunkel etwas schmales Weißes auf, das ihm langsam entgegen kam und dabei auf und ab wippte. Ein Minirock!

Hier war also doch was los! Tomtom bremste so heftig, dass er fast den Motor abgewürgt hätte. Während der weiße Minirock im Licht der Scheinwerfer Gesellschaft von einem bauchfreien Top mit einer beachtlichen Oberweite, langen Beinen und waffenscheinpflichtigen Stilettos bekam, kurbelte Tomtom hastig die Scheibe herunter.

"Hast du dich verlaufen, Süße", rief er dem Mädchen entgegen.

Das Licht reichte nur bis zu ihrem Dekolleté, aber zu dem, was er bisher gesehen hatte, passte nur ein Traummädchengesicht mit langen Wimpern und sinnlichen Lippen.

"Soll ich dich ein Stück mitnehmen?"

"Danke für das Angebot, Süßer, aber ich hab schon ein Date."

Irgendetwas war mit ihrer Stimme nicht in Ordnung.

"Morgen vielleicht. Oder übermorgen." Sie beugte sich durch das offene Fenster in den Wagen. Ihre langen, rotlackierten Krallen schoben ein kleines Pappkärtchen in seinen Hosenbund. "Ruf mich einfach mal an", schnurrte sie, und dabei spitzten sich die Lippen in dem bärtigen Gesicht zu einem Luftküsschen ..

 

Bild: Fern

 

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